thomas eigel

th. eigel

 

 

thomas eigel, jahrgang 1959, ist seit über 30 jahren in der fotografie zu hause. er arbeitete erst als werbefotograf und danach als art director und agenturinhaber. nun schließt sich der kreis: heute reduziert er in seiner fotografie die sujets durch abstraktion auf das wesentliche, wobei die dargestellten motive oder szenen immer noch erkennbar oder zu erahnen sind und sich gerade durch diese reduktion ihre anziehungskraft entwickelt. thomas eigel lebt und arbeitet in hamburg.

monika mersak

Exhibitions/Ausstellungen:

xponart goes x, xponart, Hamburg 2017 (G)
Angeben, xponart, Hamburg 2013 (G)
Spirit Unlimited, International Art Circle, Hamburg 2013 (G)
Berliner Kunstsalon, Berlin 2011 (M)
Maison Alexandre, Kunsthöfe, Berlin 2009 (G)
sichtbar, Elbrausch, Hamburg 2009 (G)
dark star, Landtag NRW, Düsseldorf 2008 (E)
Fine Art Cologne, Cologne 2007 (M)
Videokunst im Umspannwerk, Berlin 2007 (G)
Liste Köln / Art Cologne, Cologne, 2007 (M)
Galerie Jan Schlütter, Cologne, 2007 (G)
eyes wide open, Galerie Vero Wollmann, Stuttgart, 2007 (E)
Colour Summer, Young Gallery, Bruxelles 2006, (G)
Lisalounge, Crowne Plaza City Centre, Cologne 2005, (E)
Conversions, Young Gallery, Bruxelles 2005, (E)
ShowRooms, Cologne 2004, (E)
Hommage an Eve Klein, Taurus & Twins, Cologne 2004, (E)
Ausstellung, Crowne Plaza City Centre, Cologne 2004, (E)
Art Photography, Vintage Gallery, Cologne 2003, (E)

 

text zu voyages

Zeitstrom und Augenblick

Auf unsere Wahrnehmung ist kein Verlass. Sie gewährt uns keinerlei Gewissheit. Im Zeitstrom bewegt sich eine Fülle von Bildern, die sowohl bei geschlossenen als auch bei geöffneten Augen unser Sehen überfällt. Das einzelne Bild verschwindet in der Masse der Bilder, wird nivelliert, konturlos, anonym. Dieser Erfahrung setzen wir uns auf Schritt und Tritt, bei Wachheit und im Schlaf aus. Niemand differenziert en Detail, was ihm unwillentlich an einer Verkehrsampel, im fahrenden Auto, an einem Fernsehabend, in Warenauslagen oder auf einer Bootsfahrt in den Blick kommt. Diesem ohnmächtigen Ausgeliefertsein widersetzt sich der Künstler auf seine Art. „Das Bild zieht einen Trennungsstrich,“ sagt Octavio Paz und meint damit das Gedicht - das Kunstwerk. Demzufolge verdanken Gemälde, Skulptur, die Fotografie ihre dauerhafte Existenz einem „privilegierten Augenblick“, der sie aus dem Zeitstrom herauslöst und da so sein lässt. Es vollzieht sich eine Enthüllung für den, der diesen „privilegierten Augenblick“ couragiert ergreift, zudem für alle, die den Augenblick wiedererschaffen und in eins damit sich selbst. So weit, so gut. Und was bewerkstelligen in diesem Kontext die Bilder von Thomas Eigel? Sie problematisieren dieses Dilemma von Zeitstrom und Augenblick. Eigel bewegt sich entlang des Trennungswalls zwischen beliebigem und selektivem Sehen, zwischen bedeutungslosem Wahrnehmen und neugieriger Verdeutlichung. Entlang seines Limes schwappt beides über, vermengt sich, so dass ein diffuser Tatbestand herauskommt, Genauigkeit und Unschärfe, unfocussierter Zoom, Fixierung und Fluss, Stillstand und Bewegung, letztlich Wahrnehmung in der Unentschiedenheit, schwankend, verunsichert, misstrauisch, skeptisch. Durch Überlagerung von Sequenz und Vereinzelung, versinnlicht als Abstraktion und Metapher, beides in transparenten Schichtungen, weist er den Weg heraus aus dem Wust unverbindlicher Bilder. Mit den Mitteln des modernen Künstlers, des Fotografen und des Digital-Kontemplativen unterfüttert er auf ästhetisch raffinierteste Weise den Bildbegriff vom „privilegierten Augenblick“.

Werner Krüger

 

A Moment in the Flow of Time

Our sensory perceptions are unreliable. They give us no lasting certainty. In the passage of time, our eyes – whether open or shut – are bombarded by an array of images. Individual images vanish in the maelstrom, devoid of shape and contours, anonymous. That experience accompanies everywhere, in our waking and sleeping hours. No one remembers in minute detail what came unwittingly into sight when standing at traffic lights, driving along in the car, watching TV in the evening, gazing into a shop window or on a boating trip. It is this feeling of being helplessly exposed to such momentary perceptions that the artist in his own way resists. “A picture draws a dividing line,“ says Octavio Paz, speaking of works of poetry - of works of art. In that sense, paintings, sculptures and photographs owe their enduring existence to a “privileged moment”, in which they are abstracted from the endless flow of time and so endure. It is a revelation for those who courageously seize that “privileged moment“ and, additionally, for all who recreate that moment and in that themselves. So far, so good. And against that backdrop what do Thomas Eigel’s pictures achieve ? They delve into this dilemma of time flow and moment. Eigel derives inspiration from the partition between random and selective vision, between meaningless perception and inquisitive illustration. Along his borderline, both spill over and blend into a diffuse creation, precise and yet blurred, an unfocused zoom, fixed yet flowing, motionless yet moving, ultimately perception in indecision, wavering, uncertain, distrustful, sceptical. By superimposing sequence and individualisation, symbolised as abstraction and metaphor, both in transparent strata, he points the way out of the confusion of noncommittal images. With the tools of the modern artist, photographer and digital contemplative, he gives pictorial expression in the aesthetically most sophisticated manner to the concept of the “privileged moment“.

Werner Krüger

text zu travellers

 

Travellers

Bewegung und das Reisen sind seit langem wiederkehrende Themen in Thomas Eigels fotografischen Arbeiten. Die im Frühjahr 2008 begonnene Werkgruppe "Travellers" schließt daran an. Waren frühere Aufnahmen durch digitale Eingriffe und Verwischungen dynamisiert und in ihrer Wirksamkeit gesteigert, liefert "Travellers" nun die roh gehaltene Typologie eines Gebrauchsgegenstandes, der die Verfügbarkeit von allem, zu jeder Zeit, an jedem Ort sicherstellt. Unter kurzen, ihren Aufschriften entlehnten Titeln zeigt Eigel die Schmalseiten großer Überseecontainer, mit Doppeltüren aus gepresstem Stahlblech, mächtigen Verschlussmechanismen und den unvermeidlichen Spuren ihrer manchmal monatelangen Fahrten an Bord riesiger Frachtschiffe. Im Vergleich der Aufnahmen offenbaren sich markante Details und deutlich wird schließlich die Unterschiedlichkeit des im Alltag scheinbar immer Gleichen. Türprofile zeigen den Wechsel geometrischer Reliefs, Armierungen geben Hinweise auf die Entstehung der Konstruktion und Lackierungen führen zu den Identitäten fremder Firmen und zu Farbkonzepten die diese Identitäten stützen . Unmittelbar auf Aluminiumplatten gedruckt, nähern sich die Arbeiten über metallische Oberflächen dicht der Materialität ihrer Motive an. Doch gibt keine der Aufnahmen über das Zusammenspiel aufgetragener Codierungen hinaus, Hinweise auf zurückgelegte Routen, zukünftige Ziele oder auf das, was sich hinter den Türen einzelner Container verbirgt. Fotografiert in Frachthäfen und auf anderen Umschlagplätzen bleibt es ungewiss, ob ihre Inhalte den globalen Handel und seine Märkte sichern oder ob in ihnen verladene Gegenstände menschliche Schicksale und Sehnsüchte spiegeln - und das Denken beginnt.

Wolfgang Schöddert

 

Travellers

Movement and travel have long been recurrent themes in Thomas Eigel’s photographic works. The work group “Travellers,” begun in the spring of 2008, picks up on this. While Eigel’s earlier photographs were dynamized by digital intervention and blurring to enhance their effect, “Travellers” is the raw typology of an item of daily use available to everyone, at any time, in any place. Under short titles borrowed from their labels, Eigel shows the narrow sides of large overseas containers, with double doors made of pressed sheet steel, powerful closing mechanisms, and the inevitable traces of their sometimes months-long journeys on board giant freighters. A comparison of the photos reveals striking details, and finally it becomes apparent that objects that seem always the same in fact have differences. Door profiles show altered geometric reliefs, sheathings gives clues as to the genesis of the construction, and lacquerings lead to the identity of foreign firms and to color concepts that support these identities. Pressed directly onto aluminum plates, the works closely approach the materiality of the motifs they portray due to the metallic surfaces. However, none of the photographs supplies information about the interplay between the codes applied or references to routes traveled, future destinations or what is concealed behind the doors of the individual containers. Photographed in shipyards and at other transshipment places, it remains uncertain whether their contents are in the service of global trade and markets or whether the objects loaded in them reflect human fates and longings – giving us food for thought.

Wolfgang Schöddert, Burke Barrett